Am 01.06.2023 wurden wieder die Leinen gelöst und die Segel gesetzt, denn die Reise geht jetzt weiter bis in den Atlantik.
Noch ist das Ziel Deutschland.
Im vergangenen Winter habe ich mir eine neu Sprayhood anfertigen lassen und auch den etwas kleinen Kartenplotter von B&G, den Vulcan 7 gegen einen Vulcan 9 ausgetauscht. Es soll nun ohne größere Zwischenstops weitergehen, denn ich möchte in der verfügbaren Zeit, so weit wie möglich kommen.

Sorgen machen mir die zunehmenden Angriffe von Orcas auf Segelboote, die sich meistens auf der atlantischen Seite bei der Straße von Gibraltar ereignen. Durch dieses Gebiet muss ich segeln, wenn ich bis nach Deutschland möchte. Mein Radar und noch anderes nützliches Zubehör hatte ich von einem Segler gekauft, dessen 44 Fuß Segelboot vor Gibraltar angegriffen und stark beschädigt wurde. Durch dieses Ereignis war er dann so stark traumatisiert, dass er das Segeln aufgab und alles wieder verkaufte, was er ein halbes Jahr vorher erst neu gekauft hatte. Für mich war das natürlich ein Glücksfall, günstig an solche hochwertigen nautischen Gerätschaften von B&G (HALO20+, Vorwardscan, einen 12″ Zeus3 Kartenplotter und noch anderen Kleinkram) zu kommen.

Für diesen nun wieder etwas längeren Törn hatte ich mir vorher schon Ausrüstung und Proviant mit der Post geschickt. Neben Lebensmitteln auch Nützliches, wie neues Ölzeug, Atemregler zum tauchen, Bücher und Videos und auch Glasfasermatten und Epoxy als Reparaturset für den Notfall, denn ich werde auch in das Gebiet kommen, wo es schon viele Attacken von Orcas (www.orcas.pt) auf Segelboote gab und auch schon welche versenkt wurden. Man kann zwar nicht auf alles vorbereitet sein aber ich möchte zumindest das Nötigste dabei haben.

Das war der Plan: von Cartagena nach Garrucha, Almeria, Malaga, Gibralta und weiter bis … ?

Zum Abschied von dem schönen Hafen von Cartagena, werde ich mich nochmal stärken und morgen geht es los.

01.06.2023, 11 Uhr, ich laufe aus

Endlich wieder auf dem Meer und ich bin gespannt was alles auf mich zu kommen wird. Das erst Ziel wird Garrucha werden, wohin ich im vergangenen Herbst schon mal einen Törn mit meinen beiden Kindern gemacht hatte. Sie sollten ja auch das neue Boot kennenlernen. Zuvor waren wir ja „nur“ mit unserer Jeanneau Sun Way 25 auf dem Kulkwitzer See und auch ein paar mal auf der Ostsee unterwegs.

Garrucha ist bekannt für seine phantastischen roten Garnelen. Diese werden aus ca. 600 m Tiefe frisch aus dem Meer mit reichlich groben Meersalz serviert. Beim Verzehr sollte man das aber vorher abstreifen, denn für den Genuss der Garnelen, ist es um einiges zu viel des Guten. Frisch vom Kutter wird der Fang sofort an die Händler und Restaurants versteigert und landet am selben Abend schon auf den Tellern.

Das war ein kleiner Rückblick auf dem Besuch in Garrucha Ende Oktober 2022.

Nach dem kleinen Zeitsprung, geht es hier aktuell wieder weiter in Richtung Garrucha.

Nun war ich etwas spät gestartet und wollte bis Garrucha durchsegeln und so lag mal wieder eine Nacht auf dem Meer vor mir. Im letzten Jahr hatte ich diese Strecke mit meinen Kindern mit einem Zwischenstopp in Áquila gemacht. Ich wollte sie ja nicht gleich mit einer Nacht auf dem Meer erschrecken 🤣. Für mich ist es auch Nachts auf dem Meer schön.

Gegen 7:30 Uhr erreichte ich Garrucha, entschloss mich aber gleich bis San José weiter zu segeln, denn ich war nicht müde und das Wetter war schön. So ging es mit ca. 5 kn Fahrt bei 6-8 kn achterlichen Wind gemütlich weiter.

Dann kam ein bisschen Regen, was mich jedoch dank dem neuen und sehr guten Ölzeug (Musto HPX GORE-TEX PRO OCEAN) überhaupt nicht störte.

Eine halbe Stunde später war der Himmel schon wieder blau und ich musste mich vor der intensiven Sonne schützen.

Jetzt wurde es auch mal Zeit das neue Radar HALO 20+ von B&G unter realen Bedingungen auszuprobieren. Schon konnte ich auch Schiffe ohne AIS sehen, was besonders bei schlechte Sicht und in der Nacht sehr wichtig ist.

Am 02.06.2023 um 17:08 Uhr lege ich in der Marina de Garrucha-Club Náutico im verschlafenen Fischerdörfchen San José an und natürlich gibt es am Abend erstmal das Anlegerbier und ganz besonders leckeren Octopus.

03.06.23 auf nach Adra

Um 7 Uhr verlasse ich San José bei kaum noch Wind und so wird es mal wieder ein Abschnitt mit Motorunterstützung. So lange ich noch Handynetz habe schaue ich immer mal wieder auf die Seite von www.orcas.pt, um von den aktuellen Sichtungen und Angriffen der Orcas zu erfahren.

Je weiter ich Richtung Westen zur Meerenge von Gibraltar komme, um so mehr nimmt das Treibgut und leider auch die Platikabfälle zu.

Das Essen aus der Heimat, sah auf der Verpackung eigentlich recht ansprechend aus aber innen …. 🥴. Jetzt habe ich das Zeug an Bord und da muss es halt auch gegessen werden. 😩 Für eine Mahlzeit mal so zwischendurch geht das schon.

Gegen 20 Uhr ist wieder Land in Sicht und Adra liegt voraus.

Nach diesem herrlichen Sonnenuntergang gibt es noch was feines aus der Bordküche und dann ab in die Koje und mal wieder ausschlafen.

04.06.23 Heute möchte ich die Beine vertreten…

… und Vorbereitung für den nächsten längeren Schlag über 2 Tage bis Gibraltar.

05.06.23, 6 Uhr werden wieder die Leinen gelöst, Ziel Gibraltar

Es ist sehr praktisch, dass man den Bildschirm vom Kartenplotter auf das iPad spiegeln kann. So hat man immer die Kontrolle über das Boot, auch wenn man mal nicht draußen am Steuerstand steht. Der Wind wird nun auch etwas mehr (8-10 kn), so dass ich mit 5-6 kn Fahrt (über Grund) gut vorwärts komme.

Der nagelneue Genacker durfte endlich mal aus seinem Sack, wo er ewig vor sich hin schlummerte, denn der Voreigner hatte ihn nie benutzt. Nun konnte er seine volle Schönheit und Kraft zeigen.

Es ist traumhaftes Wetter, das Boot wird sanft durch die Wellen geschoben und ab jetzt begleiten mich auch noch stundenlang Delfine. Schöner kann segeln nicht sein.

Ich bin absolut fasziniert von diesen schönen Tieren. Sie bewegen sich mit nur minimalen Bewegungen extrem schnell und sicher durchs Wasser. Ich hatte sogar manchmal Angst, dass ich sie mit dem Bug rammen könnte, weil sie so dicht vor dem Boot spielerisch hin und her sausten. Es reicht aber immer wieder nur ein scheinbar leichter Flossenschlag und sie sausten davon.

Langsam neigt sich der Tag und die Sonne zaubert dieses magische Farbenspiel über dem Horizont.

Ein Tag später nimmt der Schiffsverkehr deutlich zu, denn ich nähere mich der Straße von Gibraltar, der berühmt berüchtigten Meerenge zwischen dem Mittelmeer und dem Atlantik. Dort ziehen nicht nur riesige Frachtschiffe und Tanker durch, nein auch Wale, gigantische Thunfischschwärme und so manches andere Getier. Dort beginnt auch die Gefahrenzone, wo seit 2022 verstärkt Interaktionen von Orcas mit Segelbooten registriert werden.

Nachmittags ziehen immer mehr Wolken auf, der Wind frischt auf und die Wellen werden zunehmend höher.

Gegen 21 Uhr ist wieder Land in Sicht und der berühmte Felsen von Gibraltar wird mit einer weißen Wolkenhaube sichtbar. Bis ich ankomme wird es dann schon dunkel sein und das bei 4-5 bft, was die Suche nach einen freien Liegeplatz für die Nacht nicht einfach machen wird.

Bei völliger Dunkelheit hatte ich in einem Liegeplatz in einem Yachtclub gefunden und kurz nachdem ich an einem Kopfsteg festgemacht hatte, wurde ich von einem Wachmann wieder verjagt. Da half auch kein freundliches Bitten, wenigstens die Nacht bei diesem ungemütlichen Wetter dort zu bleiben, ich musste wieder los, denn er drohte mit Polizei und wer weiß noch was. Naja, wie würde Asterix sagen: „Die Briten, die spinnen!“ So ging die Suche in der Nacht weiter und das bei dem Wind bis ich dann doch noch einen Platz gefunden hatte und endlich schlafen konnte.

Nach diesem Empfang hatte ich keinen Bock länger in Gibraltar zu bleiben und machte mich am nächsten Tag gegen Mittag auf dem Weg zum Atlantik ins Orcarevier. Das nicht ohne ein mulmiges Gefühl. Natürlich hatte ich mich vorher intensiv informiert, wo die meisten Sichtungen von Orcas zur Zeit sind und mich auf eine mögliche Interaktion eingestellt. Diese phantastischen Tiere in ihren natürlichen Umfeld zu beobachten ist mit Sicherheit ein bleibendes Erlebnis aber ein Orcaangriff auf ein Segelboot 100% auch. Leider weiß noch niemand warum Orcas Segelboote angreifen und es gibt dazu nur Spekulationen. Jedenfalls haben es die Orcas meist auf die Ruderblätter abgesehen, um die Boote manövrierunfähig zu machen bzw. an der Weiterfahrt zu hindern. Die Angriffe verlaufen zwar alle ähnlich aber nicht immer gleich. So wurden auch schon Boote so stark beschädigt, dass sie sanken. Ich möchte mich jedenfalls an die Empfehlungen der Wissenschaftler halten und möglichst nah an der Küste entlang segeln, was natürlich bei einem möglichen auflandigen Wind nicht ungefährlich ist.

07.06.2023, Ich verlasse das Mittelmeer in Richtung Atlantik

Links ist Afrika, rechts Europa und voraus der Atlantik.

Tarifa, der südlichste Ort/Kap der iberischen Halbinsel und ich bin nun im atlantischen Ozean. Standesgemäß werde ich nach über 1200 Seemeilen aus dem Mittelmeer im Atlantic mit bis zu 30 kn Wind (ein steifer Wind bei 7Bft) begrüßt. Hier geht es auch gleich zur Sache und ich muss schnell die Segel reffen. Das Groß lässt sich dank dem Einleinenreffsystem schnell und einfach verkleinern. Beim Vorsegel ist mir vor „Schreck“ die Schot aus der Winsch gerutscht und hatte sich beim Einrollen der Genua um´s Vorstag gewickelt. So musste ich den Motor anwerfen, um das Schiff in ruhige Fahrt zu bringen und um zum Bug zu gehen (natürlich angeleint) und das Wirrwarr zu entknoten. Bei solchen Problemen, heißt es Ruhe bewahren und ohne Hektik das richtige tun. Hier wurde mir auch wieder klar, dass meine SERINA ein sicheres und gut Einhand bedienbares Schiff ist.

Man sagt zwar nach der Ruhe folgt der Sturm, es ist aber genauso umgekehrt und noch dazu mit diesem herrlichen Sonnenuntergang kurz vor Barbate.

08.06.2023, Ich erreiche ohne eine Orcasichtung Barbate

Gegen 23 Uhr laufe ich im Hafen von Barbate ein und zufrieden, dass ich von den Orcas verschont wurde, denn hier im Hafen bzw. Werft stehen einige von den Booten mit Schäden am Ruder und auch das, welches so stark beschädigt war, dass es kurz vor Barbate unterging und später wieder geborgen wurde. Selbst neben mir lag ein Boot, deren Ruder von Orcas zerbissen wurde, es aber mit eigener Kraft noch in den Hafen schaffte.

So konnte ich von den Ereignissen ganz aktuell und direkt von den Betroffenen von den Interaktionen und Attacken auf die Segelboote Berichte erhalten.

von Orcas abgebissene Ruder, wohin man auch schaut

Leider muss ich hier die Reise erstmal wieder unterbrechen, denn ich muss wegen einem Auftrag nach Hause. Auch wenn es schmerzt, denn der Liegeplatzpreis ist mit ca. 800 € für 4 Wochen exorbitant hoch 😢. Aber was soll´s, irgendwo muss ja auch das Geld für dieses Vergnügen her kommen. Bis der Flug geht, bleiben noch 2 Tage, um die Umgebung zu erkunden. Barbate ist seit Generationen ein Hotspot für die Thunfischjagt und deshalb gibt es hier auch so viele Orcas, weil die sich hauptsächlich von den Thuns ernähren.

10.06.2023, mal wieder Abschied nehmen, die Arbeit ruft

Noch ein letzte Blick zurück, ob alles gut gesichert ist und dann geht es mit dem Bus nach Cadiz und mit dem Flieger nach Hause. Bis zum nächsten mal ⛵️.

Aus dem Bus fotografiert, das andalusische Spanien ganz anders als in der kargen Umgebung von Cartagena. Rechtes Bild ist schon Cadiz kurz vor dem Bahnhof und dann noch das kurze Stück mit dem Zug zum Flughafen Jerez de la Frontera.

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